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Das Katzenklo 1×1

Unsauberkeit (also Urinabsatz an aus Menschensicht ungeeigneten Orten wie Fußabstreifer, Badewanne, Bett etc.) ist mit Abstand eines der häufigsten Verhaltensprobleme bei Katzen.

Ganz wichtig bei Unsauberkeit ist neben einer genauen Betrachtung der Toilettensituation auch immer die medizinische Abklärung inkl. Urinuntersuchung. Viele Katzen werden nämlich vor allem deshalb unsauber, weil sie eine Blasenentzündung oder eine andere Schmerzursache wie z.B. Zahnschmerzen haben. Sollte Deine Katze unsauber sein, lass sie also bitte unbedingt gründlich tierärztlich in Deiner behandelnen Tierarztpraxis untersuchen.

Noch häufiger als die klassische Unsauberkeit treten wohl aus Menschensicht nicht ganz so gravierende Probleme wie Urinabsatz im Stehen, Nicht-Verscharren der Hinterlassenschaften oder Kratzen an den Wänden des Katzenklos auf. Auch so ein Verhalten ist oft ein klarer Hilferuf unserer Katzen, dass ihre Toilettensituation gerade alles andere als optimal ist.

Oft führen ungeeignete Katzentoiletten und der damit einhergehende Stress für die Katze sogar zu schweren gesundheitlichen Problemen.  Erkrankungen wie Blasenentzündung (idiopathische Zystitis), mehreren Arten von Harnsteinen und FLUTD (lebensbedrohlicher Notfall, bei dem kein Urin mehr abgesetzt werden kann) stehen sehr oft in direktem Zusammenhang mit einer ungeeigneten Toilettensituation.

Und das ist nicht gerade verwunderlich, denn die meisten im Handel befindlichen Katzentoiletten sind bei genauerer Betrachtung vor allem auf die Bedürfnisse von Menschen ausgelegt – klein, unauffällig, mit Deckel und Klapptür, damit man möglichst wenig riecht oder sogar selbstreinigend.

Nur leider erfüllt keiner dieser Punkte die Bedürfnisse, die eine Katze eigentlich hat.

Deshalb schauen wir uns jetzt die optimale Katzenklo-Situation aus Katzensicht einmal genauer an…

Inhaltsverzeichnis

Wie macht das Katzenklo denn nun die Katze froh?

Erstmal vorab ‑ nicht jede Katze ist gleich und je nach Situation, Vorgeschichte und Charakter der Katze kommen manche Katzen mit bestimmten Dingen noch gut zurecht, die für andere schon ein absolutes NoGo wären.

Hier geht es also vor allem um allgemeine Punkte, die bei den allermeisten Katzen gut funktionieren

Katzenklo

1. Anzahl der Katzenklos

Katzen setzen nicht gerne am gleichen Ort Kot und Urin ab. Deshalb sind pro Katzenhaushalt mindestens 2 Katzentoiletten nötig.

Im Mehrkatzenhaushalt kommt noch ein weiterer Faktor dazu – wenn Katze A gerade auf oder vor der Katzentoilette sitzt, ist die für Katze B blockiert. Wenn das zweite Klo nun schon für den Kotabsatz benutzt wurde, bleiben ihr nicht mehr viele Alternativen, um auch Urin absetzen zu können…

Deshalb sollte bei mehreren Katzen im gleichen Haushalt immer 1 Klo mehr als Katzen vorhanden sein.

Bei der Anzahl der Klos gilt also die Faustregel:
Pro Etage 1 Klo pro Katze + 1 Extra (n+1)

Also 1 Katze -> 2 Klos, 2 Katzen -> 3 Klos, 3 Katzen-> 4 Klos usw.

In vielen Haushalten stellt sich nun die Frage, wo die zusätzlichen Katzenklos denn unterkommen sollen. Aber keine Sorge:

Wirklich katzengerechte Katzentoiletten brauchen zwar manchmal etwas mehr Grundfläche als das „0815“-Katzenklo im Handel, aber dagegen kaum Platz nach oben. Es ist also sehr gut möglich, dass durch die Umstellung auf katzengerechte Katzenklos am Ende sogar mehr nutzbarer Raum für alle bleibt, selbst wenn die Gesamtzahl der Klos größer wird.

Zusätzlich fällt bei katzengerechter Einstreu auch viel „Geruchsbelästigung“ einfach weg, so dass auch mehr Räume als Katzenklo-Standort in Frage kommen.

Ich habe bisher noch keinen Haushalt kennengelernt, in dem es mit ein paar kleinen Umstellungen nicht möglich war, noch ein zweites oder sogar drittes Katzenklo so unterzubringen, dass es für Katze und Mensch gut gepasst hat 🙂

Also schauen wir uns doch einmal genauer an, welche Größe ein katzengerechtes Katzenklo überhaupt haben sollte und was so ein katzengerechtes Katzenklo denn ausmacht…

2. Größe der Katzenklos

Die meisten konventionellen Katzenklos sind leider zu klein. Und zwar nicht nur ein wenig, sondern viel zu klein.

Bildlich gesprochen bedeutet das: In so einem Minikästchen kann vielleicht ein Zwerg-Kaninchen oder ein Kitten sich einigermaßen drehen und scharren, eine erwachsene Katze aber nicht.

Wir können diese Minatur-Klos damit vergleichen, dass ein erwachsener Mensch ein ganzes Leben lang nur ein Kleinkind-Töpfchen im Badezimmer statt einer normalen Toilette zur Verfügung hat. Ohne andere Optionen wird man das eventuell zwar dann auch zumindest eine Zeitlang nutzen… wirklich angenehm ist es aber nicht.

Und vor und nach dem Kotabsatz zu scharren, sich ein wenig zu drehen und zu buddeln gehört zu einem gesunden Ausscheidungsverhalten bei Katzen einfach dazu.


Ein ordentliches Katzenklo sollte also  mindestens 1,5x so lang sein wie die Katze selbst, um richtiges Buddeln, Zuscharren und eine bequeme „Kloposition“ zu ermöglichen.

Also so groß, dass die Katze sich bequem in alle Richtungen drehen kann, ohne irgendwo anstoßen zu müssen.

Die Mindest-Toilettengröße für eine normal große Katze liegt also bei mindestens 50x70cm Grundfläche.

Bei 2 Katzenklos pro Katze wäre das dann eine Gesamtklo-Grundfläche von 70 cm², also nichtmal 1 Quadratmeter. Und der Platz dafür findet sich doch bestimmt noch in der Wohnung, wenn vielleicht irgendein Regal etwas umgestellt wird, oder? 🙂

3. Art des Katzenklos

Die klassischen Katzenklos mit Deckel und Tür sind leider quasi das Gegenteil einer katzengerechten Toilette

Auf dem Markt gibt es ja die verschiedensten Katzenklo-Varianten von HopIns, bei denen die Katze von oben ins Klo springen muss über das typische Katzenklo mit Deckel und Schwingtür bis zum Hightech-Klo, das sich nach jeder Benutzung selbst reinigt.

Aber wie setzt eine Katze draußen Kot und Urin ab, wenn sie die freie Auswahl hat?

Das „perfekte Katzenklo“ ist aus Katzensicht eine Wüste:

Auf freier Fläche, so dass sie alles um sich herum gut im Blick hat, die Ausscheidungen danach gründlich vergraben kann und dann schnell den Ort des Geschehens (und Gestanks) verlassen kann. Wenn es sich anbietet, sind auch Sandkästen draußen sehr beliebte Katzenklos, auch wenn wir Menschen das nicht so toll finden.

Keine Katze würde wenn sie es sich aussuchen kann, freiwillig ein komisches, elektrisches Gerät betreten,  das sich nach jeder Benutzung dreht und sie quasi verjagt.

Und sind wir doch mal ehrlich – wer geht schon gerne auf geschlossene Baustellen- oder Festivaltoiletten, in denen man fast schon Platzangst hat und es ekelerregend stinkt? Genauso geht es Katzen in geschlossenen Klos mit Deckel und Tür, nur haben Katzen noch einen viel feineren Geruchssinn als wir Menschen.

Und die Sache mit den HopIns… Zum einen sehen die zwar meistens sehr groß aus, die tatsächliche Grundfläche ist aber trotzdem oft zu klein. Für gesunde, junge Katzen kann das aber trotzdem gut funktionieren, immerhin können sie darin gut buddeln und es ist nach oben schön offen. Problematisch wird die Sache aber, wenn die Katze älter wird oder Einschränkungen im Bewegungsapparat bekommt, z.B. Arthrose und Gelenkschmerzen. Dann ist sie mit einem HopIn-Klo nämlich dazu gezwungen, mehrmals täglich hineinzuspringen und ein relativ kompliziertes Sportprogramm abzuliefern.

Damit zwingen wir sie quasi zur Entscheidung: unsauber werden und woanders hinpinkeln oder unter Schmerzen aufs Klo zu klettern.

Die beste Option für die meisten Katzen ist also eine offene Klowanne ohne Deckel mit niedrigem Ein- und Ausstieg.

Von dort aus haben sie alles gut im Blick und sind nicht im Gestank eingesperrt.

Um auf Fliesenboden oder Parkett ein Rutschen beim Hinausspringen zu verhindern, sind Streufangmatten vor dem Klo eine gute Lösung. Und etwas sauberer ist die Wohnung damit auch direkt.

Eine gute Option, um Einstreu und evtl Urinspritzer nicht überall zu verteilen, sind große Plastikboxen, in die man 2 Eingänge hineinschneidet und die Schnittkanten dann abfeilt. Auch umfunktionierte Plastiksandkästen werden gerne angenommen. Oder eben konventionelle Katzenklowannen – aber dann bitte mindestens in XXL.

Bei normalem Plastik besteht zwar eine gewissen Gefahr, dass daraus beim Kontakt mit Katzenstreu Schadstoffe freigesetzt werden, aber in einem ordentlich eingestreuten Katzenklo sollte der Urin gar nicht bis zum Plastik kommen.

Beispiel für ein selbstgebautes "Luxusklo" ohne Deckel und mir erhöhten Rändern

3. Einstreu

Ein katzengerechtes Katzenklo hat vor allem eins: viiiiiel Einstreu, damit die Katze darin nach Herzenslust buddeln kann.

Mindestens 10cm tief sollte die Einstreu immer sein.

Was für eine Art Einstreu am besten geeignet ist, hängt von den individuellen Vorlieben des jeweiligen Katze-Mensch-Teams ab – da darf man manchmal auch etwas herumprobieren bis die beste Version gefunden ist.

Ein absolutes NoGo bei Katzenstreu sind aber stark riechende Düfte.

Denn ein Tier mit so sensiblem Geruchssinn wie eine Katze braucht weder Katzenstreu „for men“ noch „Frühlingsduft“ oder andere stark chemisch riechende Varianten. Das gleiche gilt für Duftperlen, Katzendeos & Co.

Besonderheit bei Kitten oder Katzen mit Pica: Verwende hier bitte Naturstreu, die sich bei Kontakt mit einer gewissen Menge Flüssigkeit selbst auflöst, um Verstopfungen zu vermeiden.

Interessanterweise scheinen viele Katzen allerdings feinkörnige Mineralstreu gegenüber der gröberen Naturstreu zu bevorzugen. Umso weicher und feiner die Streu an den Pfoten ist, desto besser wird sie meist angenommen.

Verzichte also bitte auf Streupellets, sondern wähle eine an den Pfötchen möglichst angenehme Variante.

Es kann auch helfen, eine zeitlang verschiedene Streus in verschiedenen Katzenklos anzubieten, damit die Katze selbst auswählen kann, welche Variante für sie am angenehmsten ist.

5. Hygiene im Katzenklo

Starke Düfte im Katzenklo sind tatsächlich auch gar nicht nötig, wenn es regelmäßig gereinigt wird.

 Urinklumpen und Kot sollten mindestens 2x täglich entfernt werden, je öfter, desto besser.

Gib der Katze nach dem Toilettengang aber bitte einen Moment Zeit, das Klo in aller Ruhe zu verlassen und ihre Hinterlassenschaften zuzubuddeln. Einige Katzen können durchaus sehr gestresst werden, wenn schon während des Tpilettengangs ihr Mensch bereits mit „gezückter Schaufel“ neben ihnen steht.

Eine komplette Reinigung der Katzentoiletten mit Austausch der Einstreu und Reinigung des Klos selbst ist bei gesunden, erwachsenen Katzen und einem gut eingestreuten Klo nur alle paar Wochen nötig, solange keine Kot- oder Urinreste daran zu sehen sind.

Bei sehr jungen, sehr alten, trächtigen oder kranken Katzen sollten die Klos aber deutlich häufiger grundgereinigt werden, um eine Übertragung von Krankheitserregern zu vermeiden.

Verwende für die Desinfektion bitte auf keinen Fall Essig, das riecht für Katzen nämlich nach Raubtierurin und ist ein ziemlicher Abschreckungsfaktor. Mit Spülmittel schrubben, gründlich ausspülen und anschließend  mit heißem Wasser auskochen und evtl noch mit Enzymspray aussprühen reicht vollkommen aus.

 6. Der richtige Standort fürs Katzenklo

Die Wahl des passenden Standorts stellt häufig eine gewisse Herausforderung dar. Das führt zur folgenden Schwierigkeit:

Wo stehen Katzenklos häufig? Möglichst außer Sichtweite, in Abstellraum, Keller, Dachboden oder neben der Waschmaschine. Wie oft hält die Katze sich dort normalerweise auf? Wahrscheinlich eher selten, da ist also in ganz vielen Katzenhaushalten noch Luft nach oben…

Das perfekte Katzenklo steht nämlich so, dass die Katze

‑ es leicht erreichen kann
‑ von dort aus alles im Blick hat
‑ im Mehrkatzenhaushalt mindestens 2 “Fluchtmöglichkeiten” zur Verfügung hat
‑ genug Abstand zu anderen wichtigen Ressourcen wie Futter, Schlafplatz usw. besteht
nicht gestört wird

Mögliche Störfaktoren sind zB:
‑ Waschmaschine/Spülmaschine/ Fernseher direkt daneben
‑ Durchgangsverkehr, z.B. im Hausflur
‑ Toilettenspülung oder laufende Wasserhähne direkt daneben
‑ kleine Kinder oder Hunde (hier hilft ein Babygitter zur Absperrung)

Außerdem bringt es leider wenig, mehrere Klos direkt nebeneinander oder in einem Zimmer aufzustellen. Damit baut man als Katzensicht zwar ein schönes großes Klo mit vielen sauberen Ecken, aber es ist trotzdem nur eine Klostelle. Und wenn im Mehrkatzenhaushalt auch noch Katze A den Eingang zum Zimmer mit den vielen Klos versperrt, hilft es Katze B auf der anderen Seite der Tür auch nichts, wenn innen 20 Klos bereit stünden.

Besser ist es also, die Klos über die Wohnung verteilt an verschiedenen, leicht erreichbaren Standorten aufzustellen.

Um die Toilettensituation Deiner Katze möglichst angenehm zu machen achte also auf:

  •  mind. 1 Klo mehr im Haushalt als Katzen
  • pro Etage mind. 1 Klo
  • – Mindestgröße der Klos 50x70cm
  • leichter Ein- und Ausstieg
  • keine geschlossenen Räume
  • mind. 10 tiefe Einstreu
  • keine starken Düfte oder Essigreiniger
  • regelmäßige Reinigung
  • -leicht zugänglicher Standort ohne Störfaktoren

Du hast alle Tipps umgesetzt und Deine Katze ist trotzdem unsauber? Oder ihr habt mit wiederkehrenden Blasenentzündungen oder Durchfall zu kämpfen? Dann kontaktiere mich gerne für eine Therapie.

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Begrüßungsfoto Denise Riggers

Hi, ich bin Denise!

Tierärztin mit Spezialisierung auf Verhaltenstherapie & innere Medizin, Cat Friendly Veterinary Professional, Fear Free Veterinary Professional, Katzentrainerin und selbst begeisterte Katzenhalterin

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