Wie Whiskey und Tips zu uns kamen

Du hast die zwei sicher schon auf meiner Insta-Seite oder hier auf der Website auf mehreren Bildern gesehen: Mrs Whiskers, die zuckersüße schwarz-weiße Tuxedo-Kätzin mit weißem Schnurrbart und Lady Tips, die kleine getigerte Schönheit mit weißen Söckchen und Ozelot-Print. Whiskey und Tips sind inzwischen ziemlich genau ein Jahr alt und fast so lange kenne ich die Beiden auch schon.

Aber wie kam es eigentlich dazu, dass wir  ausgerechnet die Beiden adoptiert haben? Und das, nachdem wir vorher in einem Jahr als Pflegestelle 32 andere ehemalige Straßenkatzen bei uns aufgenommen haben und teilweise vom ersten Tag ihres Lebens an kannten?

*Mit uns meine ich meinen Partner und mich, denn alles was unsere eigenen Katzen betrifft, war und ist immer eine gemeinsame Entscheidung, hinter der wir auch immer Beide zu 100% stehen.

Kleiner Rückblick auf unsere Zeit als Kittenpflegestelle

Tatsächlich war es so, dass all die Pflegekätzchen zwar wunderbare Katzen waren und wir hatten jede einzelne auch sehr gerne – aber es war nie eine Kombi aus 2 charakterlich gut zusammenpassenden Katzen dabei, die auch beide 100% zu uns gepasst hätten.

Falls Du unsere Pflegis noch nicht kennst, schau gerne mal auf meinem Instagram-Kanal vorbei und scroll bis in die früheren Posts zurück, dort haben sie alle noch ihre eigenen Beiträge. Von der kleinen Piratenbande, die mit ihrer Mama Bonny nur 2 Tagen nach ihrer Geburt bei uns einzogen ist bis zur einjährigen Fae, die ganze 3 Monate gebraucht haben, um Menschen nicht mehr aus Angst anzugreifen, sondern freudig zum Clickern und Spielen anzuhüpfen. Alle 32 konnten in tolle neue Zuhause vermittelt werden und mit den meisten Familien stehen wir noch immer regelmäßig in Kontakt.

Ein ganz großer zusätzlicher Grund gegen eigene Katzen  war auch, dass unsere Wohnung einfach nicht für mehrere getrennte Katzengruppen ausgelegt war. Hätten wir also während der Zeit als Pflegestelle andere Katzen adoptiert, wäre das das Aus für weitere Pflegis gewesen. Und während noch eine Mama mit Babys bei uns wohnte, standen die nächsten eigentlich schon mehr oder weniger Schlange und warteten darauf, dass wir frei wurden – Tierheime und Pflegestellen deutschlandweit waren und sind nämlich schon lange über ihre Kapazitäten hinaus ausgelastet und überall müssen Streuner weiter auf der Straße bleiben, weil einfach keine Platz mehr in den Tierheimen für sie ist.

Deshalb ist Freigängerkastration auch so unglaublich wichtig, um noch mehr Leid zu verhindern!

Und falls Du überlegst, selbst Pflegestelle zu werden und die Möglichkeiten dazu hast – für uns war es damals die beste Entscheidung überhaupt und eine wirklich wunderbare Zeit.

Nun war es aber so, dass wir vor allem deshalb Pflegestelle waren, weil ich während meiner Doktorarbeit viel von zu Hause aus arbeitete. Umso weiter meine Doktorarbeit ihrem Ende zuging, desto öfter war ich aber auch für Fortbildungen, Kongresse, Vorträge usw unterwegs und die Betreuung der Kitten wurde immer schwieriger. Außerdem rückte bedingt durch den Job meines Partners der Umzug von Leipzig nach München immer näher und damit ging auch die Zeit als Pflegestelle ihrem Ende zu…

Pflegefamilie Bonny mit ihren Kitten

Die nächtliche Rettungsaktion

Im Sommer letzten Jahres, als noch Mama Bonny aus unserer vorletzten Pflegi-Gruppe auf ihren Umzug ins neue Zuhause und die 6 Sternchen, unsere letzte Pflegigruppe in einem provisorischen Unterschlupf auf den Einzug zu uns warteten, war ich gerade ein paar Tage alleine mit Bonny zu Hause. Nachts um 12, als ich Abends im Bett noch ein bisschen am Handy herumscrollte, ploppte plötzlich in einer lokalen Social media-Gruppe ein Hilferuf auf:

Im gleichen Stadtteil hat eine Anwohnerin durch ihr Fenster 3 panische Kitten auf der Straße herumrennen sehen, die scheinbar gerade ausgesetzt wurden.

Polizei, Feuerwehr und Tierheim waren um diese Zeit nicht erreichbar oder hatten wegen anderer Notfälle keine Kapazitäten, niemand konnte oder wollte helfen. Sie selbst hat es geschafft, eins der 3, eine kleine schwarz-weiße Kätzin zu fangen, wurde dabei aber krankenhausreif gebissen, war also auch nicht mehr vor Ort.

Also blieb mir nicht viel anderes übrig, als mitten in der Nacht alleine zur beschriebenen Stelle zu fahren, wenn ich dort nicht am nächsten Tag 2 überfahrene Katzenkinder finden wollte.

Dort angekommen, bekam ich zum Glück Unterstützung von einem Mitarbeiter der örtlichen Obdachlosenhilfe, der die beiden Minis auch schon gefunden hatte. Sie hatten sich erfolgreich von unten im Motorraum eines parkenden Autos versteckt.

Und dieses Auto stand auf einem Parkstreifen inmitten einer Kreuzung mit je 2 Fahrspuren in jede Richtung. Genau dort hatten die Beiden sich komplett verängstigt und unerreichbar versteckt.

Ich lag also am Ende 2h lang nachts auf dem Boden unter diesem Auto, um die Kitten langsam hervorzulocken. Währenddessen passte die 2. Person darauf auf, dass mir nichts passierte – das wäre mitten in der Nacht alleine auf einem halbdunkeln Parkplatz in der Großstadt durchaus möglich gewesen. Nach viel Locken mit Schleckpaste und Spielangeboten mit kleinen Stöcken kam Kätzchen Nr. 2 endlich in Griffweite – ein zuckersüßer schwarzer Kater mit weißem Streifen auf der Stirn.

Ihn konnte ich also relativ gut aufheben und in die mitgebrachte Transportbox setzen. Daraufhin kam auch Kätzchen Nr. 3 in Sicht: eine sehr, sehr scheue aber bildhübsche kleine Tigerin.

Die Kleine fand es allerdings plötzlich alleine im Auto-Motorraum doch sehr gruselig und sie rannte panisch in Richtung ihres Bruders – und daran vorbei auf die befahrene Straße zu.

Also konnte ich nur geistesgegenwärtig zupacken und sie dort, wo ich sie gerade erwischte festhalten. Dummerweise war das ausgerechnet ihr Bauch, ich habe sie also unabsichtlich beim Rettungsversuch ziemlich gekniffen und sie hat mich in ihrer Panik vollkommen berechtigt erstmal so stark sie konnte in die Hand gebissen. Ich hatte zwar Schutzhandschuhe an, aber war danach trotzdem gut getackert.

Aber: auch die kleine Tigerin saß nun in ihrer Transportbox und ich konnte beide mit nach Hause nehmen. Ein wenig später kam auch die dritte im Bunde dazu, als ihre Retterin wieder aus dem Krankenhaus entlassen wurde und ich saß nun mit dem schwarz-weißen Katerchen und den beiden Kätzinnen in meiner Wohnung.

Da dort ja noch Pflegemama Bonny wohnte, zogen die 3 erstmal in einen Quarantänekäfig in unsere Küche, während ich nach einer geeigneteren Unterbringung suchte. Sobald der erste Schreck überstanden war, mutierten die kleinen Fauchis auch sehr schnell zu verschmusten & verspielten kleinen Kuschelmonstern und waren einfach nur zum Verlieben.

Gechippt waren die 3 nicht und auch nicht als vermisst gemeldet. Auch auf spätere Fundmeldungen meldete sich niemand, sie waren also sehr eindeutig einfach ausgesetzt worden.

 

Wohin mit den kleinen Fundkatzen?

Bei uns bleiben konnten sie nicht, denn die nächsten Pflegis warteten ja schon. Alle anderen Pflegestellen waren aber ebenfalls voll, im Tierheim hätten sie nur noch in einen Käfig zusammen mit einigen anderen frisch gefangenen Fundkitten gekonnt… also bleiben sie erst einmal 3 Tage im Käfig bei uns, wurden dort gegen Würmer, Flöhe und Giardien behandelt und durften zwischendurch die Küche erkunden (die wir nach jedem Ausflug komplett desinfizieren mussten, denn die Kleinen hätten ja jede nur denkbare Krankheit haben können). In dieser Zeit kam auch mein Partner wieder von seiner Reise zurück und war ähnlich begeistert von den Minis wie ich.

Da Bleiben erstmal aber keine Option war, suchte ich über sämtliche lokale Telegram- & Facebookgruppen, meine Insta-Seite usw nach einer möglichen neuen Pflegestelle. Und wurde auch fündig, die 3 durften also ein paar Straßen weiter zu ihrer neuen Pflegefamilie mit kleinem Kind und Hund ziehen und es gab sogar schon erste Interessenten für die beiden Mädels.

Die 3 Findlingskinder im Quarantänekäfig in unserer Küche

Zuhause für die Pflegis gesucht

Doch einige Wochen später kam die traurige Nachricht ihrer neuen Pflege“Mama“: sie musste dringend ins Krankenhaus und konnte die Kleinen nicht weiter versorgen. Also ging die Suche nach einer neuen Pflegestelle für sie von vorne los… und auch dieses Mal klappte es und sie durften zu einer guten Freundin von mir ziehen, die vorher schon hin und wieder unsere Pflegis gesittet hat. Um ihre eigenen 4 erwachsenen Katzen nicht zu gefährden, konnte sie die Kleinen nicht schon vorher aufnehmen, solange ihre Quarantäne nicht abgesessen war.

Inzwischen waren die Kleinen aber ja gegen alle Parasiten zu Ende behandelt und frei von ansteckenden Krankheiten, also stand dem Umzug nichts im Weg.

Auf der neuen Pflegestelle haben wir sie ein paarmal besucht und konnten beobachten, wie toll sie sich entwickelten und mit den 4 Katzen vor Ort klarkamen. Da es ja auch schon eine Interessentin gab, die mehrfach zu Besuch war und auch mit schon ein 2h langes telefonisches Vorgespräch hatte, schien damit alles soweit erledigt.

Doch eine Woche später sprang die Interessentin ab, da die monatlichen Kosten mit Krankenversicherung, Futter usw ihr für 2 Katzen doch zu hoch waren. Ungefähr zur gleichen Zeit stand auch eine Blutentnahme der Kleinen an, um sie auf FIV und FeLV zu testen, damit das Katerchen zu einem neuen Partnerkater vermittelt werden konnte. Allerdings war es den Mitarbeitenden in der Tierarztpraxis wohl absolut nicht möglich, die Kleinen zu untersuchen oder zu behandeln, weil sie sich so sehr wehrten.

Also machte ihre Pflegemama einen zweiten Termin aus und ich kam zur Unterstützung mit. Im Wartezimmer haben beide Kätzinnen die komplette Stunde Wartezeit mit mir gekuschelt und waren einfach zum Verlieben.

So langsam zeichnete sich auch das Ende unserer Zeit als Pflegestelle ab, die Sternchen sollten bald ausziehen und die Idee, ob wir die zwei nicht doch übernehmen könnten, nahm mehr und mehr Gestalt an…

Wer kann diesem Blick schon widerstehen....

Und so kam es, wie es musste

Als die Beiden auch noch jede eine Verhaltensauffäligkeit entwickelten, war an eine normale Vermittlung sowieso nicht mehr zu denken. Die schwarz-weiße Kätzin (aka Whiskey) hatte nämlich eigentlich von Anfang an Angst vor Besuchern und versteckte sich, wann immer Interessentenbesuch kam. Und die kleine Tigerin (aka Tips) wurde hochgradig unsauber und pinkelte mehrmals täglich alles in der Wohnung an. Inkl. Vorhängen, Sofa und Betten. Egal ob gerade Menschen darin lagen oder nicht. Beides keine sooo idealen Vorraussetzungen für eine Vermittlung, vor allem da ihre Pflegestelle schon eine wirklich sehr schöne Katzenhaltung hatte und die Hauptursachen für Unsauberkeit alle ausgeschlossen waren.

Also haben wir beschlossen: die Beiden werden unsere Katzen.

Am 04.09.2023, 2 Tage nach dem Auszug der letzten beiden Sternchen in ihr eigenes Zuhause war es also soweit und Whiskey & Tips durften bei uns einziehen. Ihr Bruder Carlo blieb noch einige Wochen in seiner Pflegstelle und wurde dann zusammen mit einem gleichaltrigen anderen Katerchen aus dem Tierschutz in ein eigenes schönes Zuhause vermittelt.

Und nun, fast ein Jahr später ist Tips dank verschiedener verhaltenstherapeutischer Maßnahmen nicht mehr unsauber, Whiskey’s Angst vor Fremden ist noch nicht vollständig weg, wird aber immer besser und wir könnten uns ein Leben ohne die zwei Süßen gar nicht mehr vorstellen.

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Begrüßungsfoto Denise Riggers

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Tierärztin mit Spezialisierung auf Verhaltenstherapie & innere Medizin, Cat Friendly Veterinary Professional, Fear Free Veterinary Professional, Katzentrainerin und selbst begeisterte Katzenhalterin

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